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Wie könnte eine Mikrodosierung bei einer Cannabis-Therapie aussehen?

07.08.2023

Der entscheidende Faktor für eine möglichst hohe Effektivität von Cannabis als medizinische Alternative ist bei allen Erkrankungen die korrekte Dosierung, die individuell für jeden Patienten bestimmt werden muss. Der Fokus liegt beim Einsatz von medizinischem Cannabis nicht auf dem psychoaktiven Aspekt der Pflanze, sondern auf der Linderung der Krankheitssymptom mit möglichst wenigen Nebenwirkungen.

Zu hohe Konzentrationen von Tetrahydrocannabinol (THC) im Blut können Nebenwirkungen verursachen, daher müssen Patienten und Ärzte immer die verordnete Menge des natürlichen Medikaments beachten. Eine Herangehensweise kann die Mikrodosierung sein, bei der minimale Mengen verabreicht werden, um psychoaktive Effekte zu vermeiden und dennoch die gewünschten therapeutischen Effekte zu erzielen.

Mikrodosierung von medizinischen Cannabis zielt in erster Linie darauf ab, den beabsichtigten therapeutischen Nutzen ohne eine begleitende psychoaktive Wirkung zu erreichen. Dies bedeutet, dass statt größeren Mengen nur geringe Mengen von THC pro Tag benötigt werden, wenn es richtig angewendet wird. Bei der Einführung der Mikrodosierung könnte es ratsam sein, medizinische Cannabissorten mit weniger intensiven Wirkstoffkonzentrationen zu verwenden. Sorten mit einem THC-Gehalt zwischen 10 und 20 Prozent könnten sich für die Bestimmung der benötigten Dosierung als nützlich erweisen. Es wird empfohlen, mit kleinsten Mengen zu beginnen und diesen Mengen einige Tage zu folgen, auch wenn der gewünschte Effekt nicht sofort eintritt.

Erst nach etwa drei Tagen sollte die Dosis schrittweise erhöht werden, wenn bisher keine Verbesserung der Symptome festgestellt wurde. Für Anfänger in der Mikrodosierung werden THC-Mengen zwischen 5 bis 10 Milligramm empfohlen, die dem Körper langsam zugeführt werden sollten. Zur genauen Dosierung ist die Verwendung von Verdampfern sinnvoll, da sie neben dem gesundheitlichen Nutzen auch eine präzisere Dosierung ermöglichen im Vergleich zum Verbrennen in Pfeifen oder Joints. Es wird empfohlen, den Verdampfer auf die niedrigste Stufe zu stellen und dann nur einige Sekunden zu inhalieren. Nach einer Pause von zehn Minuten kann der Verdampfer erneut für zwei Sekunden inhaliert werden. Dieser Prozess kann so lange wiederholt werden, bis die positiven Effekte eintreten. Dieses Vorgehen sollte in jedem Fall engmaschig mit dem Arzt besprochen werden.

Das sagen Forschungsergebnisse

Die erste klinische Studie zur Mikrodosierung von Cannabis, die nachweisen konnte, dass diese Therapieform wirksam ist, wurde von dem Medizintechnikunternehmen Syqe Medical in Israel durchgeführt. Die Studie wurde im Juli 2020 im European Journal of Pain, dem offiziellen Journal der European Pain Federation, veröffentlicht. Durch diese Placebo kontrollierte und doppelblinde Studie konnte demonstriert werden, dass Therapieerfolge bei der Behandlung verschiedener Krankheiten mit extrem niedrigen Dosen von Cannabiswirkstoffen erzielt werden konnten. Untersucht wurden dabei der THC-Gehalt im Blut, die Schmerzlinderung, die kognitiven Funktionen und die Psychoaktivität bei den Probanden. Die Teilnehmer erhielten über einen speziellen Vaporisator täglich zwischen drei und vier Dosen THC in einer Menge von nur 500 Mikrogramm, das entspricht 0,5 Milligramm. Üblicherweise greifen Cannabispatienten während einer Behandlung auf etwa 150,000 Mikrogramm pro Tag zurück, um ihre Symptome zu lindern.

Die Studie zeigte jedoch, dass die optimale wirksame Dosis zur Schmerzlinderung ohne spürbare Nebenwirkungen nur bei 500 Mikrogramm THC liegt. Dies lässt vermuten, dass die Empfindlichkeit des Menschen auf THC deutlich größer ist, als bisher angenommen. Dies könnte darauf hindeuten, dass Patienten in der Zukunft mit einer viel höheren Präzision behandelt werden könnten. Da auf diese Weise weniger des natürlichen Arzneimittels benötigt wird, kommt es zu weniger Nebenwirkungen und somit zu einer insgesamt wirksameren Behandlung. Die israelische Studie dokumentierte somit eindrucksvoll, dass die Mikrodosierung von Cannabis eine erfolgreiche Schmerzlinderung hervorrufen kann, ohne potenziell beeinträchtigende psychoaktive Nebenwirkungen zu verursachen.

Richtige Berechnung des THC-Gehalts

Natürlich sollte jede Form der Cannabis-Therapie immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Wenn der Wunsch besteht, die Mikrodosierung mit Cannabis auszuprobieren, ist ein vorheriges Gespräch über dieses Vorhaben essenziell. Wenn man bereits Zugang zu medizinischem Cannabis hat, sollten der Wirkstoffgehalt pro Gramm sowohl dem Patienten als auch dem Arzt bekannt sein. Wenn das Vorhaben besprochen wurde, muss nun die richtige Menge für die Mikrodosierung berechnet werden. Dabei kann man sich auf eine einfache Regel stützen: Ein Gramm Cannabis mit einem THC-Gehalt von 20 Prozent enthält etwa einen reinen Anteil von 200 Milligramm des ebenfalls berauschenden Cannabinoids. So würden schon 0,1 Gramm des Blütenmaterials einen Anteil von 20 Milligramm THC enthalten.

Wenn man also vorhat, die geringsten empfohlenen Mengen zu Beginn der Therapie zu verwenden, reichen bei der Inhalation über einen Vaporisator bereits 0,025 Gramm Cannabis aus, um dem Körper 5 Milligramm THC zuzuführen. Aber auch hier ist ein aufklärendes Gespräch mit dem behandelnden Arzt immer der beste Ansatz, um das beste Ergebnis zu erzielen. Obwohl es also einige Zeit dauern kann, dürfte die Mikrodosierung mit Cannabis als Therapieoption laut Forschung und Anwendern in jedem Fall die Mühe wert sein, um Nebenwirkungen zu vermeiden.

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