Illustrative Darstellung von Cannabis mit einem Rezept und Gehirn-Symbolen.

Medizinisches Cannabis bei ADHS – Erfahrungen aus der Praxis und wissenschaftliche Einordnung

12.01.2026

Medizinisches Cannabis bei ADHS – Erfahrungen aus der Praxis und wissenschaftliche Einordnung


ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine häufige neurologische Erkrankung. Erwachsene Betroffene haben oft Schwierigkeiten mit Konzentration, Impulsivität, Gefühlsregulation und Schlaf. Die Standardbehandlung besteht aus Verhaltenstherapie und bewährten Medikamenten wie Methylphenidat, Amphetaminen oder Atomoxetin.

Nicht alle Patienten sprechen jedoch gut auf diese Therapien an oder vertragen sie problemlos. Deshalb wird in manchen Fällen über alternative Behandlungsformen wie medizinisches Cannabis nachgedacht. Wichtig zu wissen: Die wissenschaftliche Datenlage hierzu ist aktuell sehr begrenzt. Eine allgemeine Empfehlung gibt es bislang nicht.

Was sagt die Wissenschaft?
Die Forschung zu medizinischem Cannabis bei ADHS steht noch am Anfang. Bisher gibt es nur wenige hochwertige klinische Studien. Diese konnten zwar keine eindeutige Wirksamkeit auf alle Kernsymptome belegen, zeigten jedoch Hinweise auf mögliche positive Effekte, insbesondere im Bereich Impulsivität, emotionaler Regulation und Schlaf.

👉 Die Datenlage reicht noch nicht für eine generelle Empfehlung, gleichzeitig besteht erhöhter Forschungsbedarf, da es eine mögliche positive Wirkung geben könnte

Rückmeldungen aus unserer Patientenbetreuung
In der Beratung und Betreuung von Patientinnen und Patienten mit ADHS erhalten wir regelmäßig Rückmeldungen zur Anwendung von medizinischem Cannabis. Häufig genannte positive Erfahrungen sind:

🧠 verbesserte Konzentrationsfähigkeit 😌 Reduktion innerer Unruhe 😴 verbesserter Schlaf ⚖ stabilere emotionale Verfassung 💭 weniger Grübelgedanken

Einige unserer Patienten berichteten außerdem über einen geringeren Bedarf an klassischen ADHS-Medikamenten. Durch die Reduktion der inneren Unruhe kam es bei manchen Patienten zu angenehmeren Interaktionen im sozialen Umfeld.

Wichtiger Hinweis: Bei diesen Rückmeldungen handelt es sich ausschließlich um individuelle Erfahrungswerte. Sie stellen keine Heilversprechen, keine Garantien und keinen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis dar. Die Wirkung von medizinischem Cannabis fällt individuell sehr unterschiedlich aus und ist nicht vorhersagbar.

Mögliche Risiken
Wie jedes Arzneimittel kann auch Cannabis Nebenwirkungen verursachen. Dazu zählen unter anderem Müdigkeit, Schwindel, vorübergehende Veränderungen der Konzentration sowie psychoaktive Effekte, insbesondere bei THC-haltigen Präparaten.

👉 Bei medizinischer Anwendung erfolgt die Dosierung jedoch individuell, langsam eindosiert „Start low, go slow“ und ärztlich überwacht, kann das Risiko von Nebenwirkungen reduziert werden.

Besondere Vorsicht bei Personen unter 25 Jahren
Regelmäßiger Cannabiskonsum vor dem 25. Lebensjahr kann die Gehirnentwicklung verändern und das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen.

Fazit
Medizinisches Cannabis ist derzeit keine Standardtherapie bei ADHS, stellt jedoch für manche Patientinnen und Patienten eine spürbare Unterstützung dar. Sowohl erste wissenschaftliche Hinweise als auch unsere Beobachtungen zeigen einen möglichen positiven Effekt. Eine individuelle ärztliche Begleitung, sorgfältige Dosierung und realistische Erwartungshaltung sind entscheidend für einen verantwortungsvollen Einsatz von Cannabinoiden.